Steinkauztagebuch

Das Leben der Athene noctua und die Arbeit des Nabu sollen hier im Bild dokumentiert werden. Aufnahmen mit wenig Licht sind zusätzliche technische Herausforderungen, die mich reizen. Meine Erfahrungen dazu werde ich aufschreiben. Die Bilder, die hier zu sehen sind, sind mit meinem Flickraccount verlinkt. Dort sind die Bilder in größerer Auflösung zu sehen.

Athene noctua – eine kleine Eule

„Der bevorzugte Lebensraum des Steinkauzes ist ein offenes, reich strukturiertes Gelände mit einem ausreichend großen Angebot an Bruthöhlen, Tagesverstecken und Sitzwarten. Da er seine Beute, neben Kleinsäugern auch Regenwürmer, Insekten, Reptilien und Amphibien, am Boden jagt, ist er das ganze Jahr auf Flächen mit niedriger Vegetation angewiesen. So sind Streuobstwiesen, Parkanlagen, Friedhöfe und Wiesen mit häufigem Vieh- oder Pferdebesatz in Dorf- und Stadtnähe wichtige Biotope für die kleine Eule.

Die Balz der Steinkäuze beginnt im Februar mit typischen und weitzuhörenden Rufen. Ab Mitte April legt das Weibchen dann 3 – 5 reinweiße Eier, die 25 – 28 Tage bebrütet werden. In dieser Zeit versorgt das Männchen seine Partnerin mit Nahrung. Nach ca. 30 – 35 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest und sind noch ca. eine Woche als flugunfähige Ästlinge in der Nähe der Bruthöhle zu beobachten. Erst nach weiteren 5 Wochen verlassen die Jungen das elterliche Revier. Steinkauzpaare führen meist eine Dauerehe und bleiben auch dem gewählten Brutrevier nebst Bruthöhle ein Leben lang treu.“ ( https://www.nabu-aw.de/projekte/schutz-steinkauz/ )

Der natürliche Lebensraum des Steinkauzes und damit die Voraussetzungen zum Weiterbestehen der Art nimmt stetig ab. Mitglieder des Nabu Selfkant e.V. haben in den letzten Jahren ca. 130 Steinkauzröhren eingerichtet um so etwas für den Bestand der Art zu tun.

Aktivitätsmuster des Steinkauzes

Er ist vorwiegend dämmerungs- und dunkelaktiv, doch auch tagsüber rege. Ca. 15 – 35 min nach Sonnenuntergang beginnt sein Tag, im Winter etwas früher. Auch in der Brut und Aufzuchtzeit setzt die Abendaktivität früher ein. Während der Aufzucht ist das Männchen deutlich aktiver. ( „Die Eulen Europas“ von W.Scherzinger u. T.Mebs )

Am 30.3.2022 war Hermann Josef Schmitz vom Nabu Selfkant e.V. so freundlich mir die Standorte von Steinkäuzen zu zeigen, wo diese seit Jahren mit Erfolg brüten.

Steinkauztagebuch Teil1

Jetzt heißt es erst einmal sich mit dem Motiv Steinkauz bekannt zu machen und das Verhalten der Vögel zu studieren. Erfahrungen dazu existieren meinerseits bis dato nicht.

Die erste Abendtour habe ich am 12.4.22 (Sonnenuntergang (SU) 20:27 Uhr) unternommen. Gegen 19:30 Uhr war ich an der ersten favorisierten Nisthilfe (NH1) vor Ort. An der Bruthöhle in unmittelbarer Nähe des Feldweges war kein Kauz zu beobachten. Ob die Bruthöhle nicht besetzt ist oder das Auto unweit von der Bruthöhle gestört hat, weiß ich nicht. (Nachtrag vom 6.5.22 – die Brutröhre ist leer) Gegen 20:20 Uhr zeigte sich ein Kauz an der zweiten Bruthöhle auf der gegenüberliegenden Grundstückseite. Das war jedoch viel zu weit weg um zu fotografieren und es gibt keinerlei Deckung auf der Wiese.
Auf dem Rückweg bin ich zur NH2 gefahren. Gegen 20:45 Uhr saß ein Kauz links neben der Bruthöhle auf einem Ast in idealer Fotoposition, ein Bilderbuchmotiv! Doch allein das Anhalten und das Herunterdrehen der Scheibe vom Auto verjagte den Kauz.

Fazit der ersten Tour: 2 Käuze gesehen, NH2 erscheint mir als ideal zum fotografieren.
Alle nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf diesen Standort, wenn nicht anders darauf hingewiesen wird.

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Nisthilfe 2, ca. 20 m Abstand Kamera – Niströhre

Tour vom 13.4.22; ( SU 20:29 Uhr) Weniger als 20 min benötige ich mit dem Rad von Süsterseel. Gegen 19:30 Uhr war ich vor Ort. Um 20:35 Uhr flog ein Kauz von einem anderen Baum kommend, auf den Baum mit der Bruthöhle. Vorbeilaufende Personen mit bellenden Hunden störten ihn nicht. Es war ausreichend Zeit für Fotos, doch die Kombination aus dem Fujitele 50-140mm und dem 1,4 Konverter, erwies sich zwar als schön lichtstark (f4) aber als unzureichend von der Brennweite her.
In der Bruthöhle war ein weiterer Kauz. Dieser zeigte sich gegen 20:43 Uhr, er kam jedoch nicht ganz heraus und verschwand sofort wieder in der Höhle. (siehe das nachfolgende dritte Bild)

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Fazit dieser Tour: Unter Nutzung langer Belichtungszeiten (1/30sec.) bekommt man brauchbare Aufnahmen. Die Bildqualität ist noch unbefriedigend. Um die oben gezeigten Bild mit 2048 x 1365 Pixeln zu bekommen, mussten die Bildausschnitte um den Faktor 1,36 vergrössert werden. Die besten Ergebnisse liefert hier Capture One.  Mittels Topaz Gigapixel sind nur Vergrösserungen von mindestens 200% möglich, das Ergebnis hat mich in keiner Weise überzeugt.
Als letzten Schritt hat sich das Entrauschen mit Topaz DeNoise AI bewährt, die Nachschärfung sollte dabei minimal sein. Problematisch sind die blauen und weißen Farbsäume, die nicht mit C1 zu beseitigen sind. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Sie entstehen speziell bei der Nutzung des HDR Werkzeuges, wenn Lichter abgesenkt und Tiefen angehoben werden. Einen interessanten Beitrag zum Thema fand ich bei „Breitengrad-Nord„.

Tour vom 15.4.22 (SU 20:32 Uhr) , mit dem XF 100-400mm / F4,5-5,6 R LM OIS WR an der XH1. Es ersetzte das XF 50-140mm / F2.8 R LM OIS WR mit 1,4 fach Konverter. Damit lassen sich natürlich die Käuze viel größer und detailreicher abbilden. Die Halbierung der auf den Sensor fallenden Lichtmenge durch die Blende f5.6 bei 400mm Brennweite ist in der Dämmerung durchaus verkraftbar.

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Hinzu kommt, dass wenn notwendig, mein Metzblitz M400 mit Leitzahl 40 eine schöne aufhellende Wirkung zeigt. (siehe Bild oben rechts) Hier war ich zunächst wegen der Entfernung spektisch, ob das etwas bringt. Offen ist die Frage: Stört der Blitz die Vögel ? Da in dem Buch die „Die Eulen Europas“ von W.Scherzinger und T.Mebs viele Aufnahmen mit Blitz zu sehen sind, gehe ich davon aus, dass das nicht Fall ist. Der Einsatz eines Blitzes wird aber sicher Ausnahme bleiben.

Interessante Ausführungen zu künstlichen Lichtquellen (Spiegel, Lampen, Blitzfotografie) sind im Kapitel „Zusätzliche Lichtquellen“ S. 55 ff (Handbuch der Vogelfotografie von Markus Varesvuo, Jari Peltomäki und Bence Mate ) zu lesen. Bence Mate hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahre bei ca. der Hälfte seiner Vogelaufnahmen einen Blitz eingesetzt.

Pünktlich um 20:45 Uhr kam ein Kauz wieder kurz aus der Röhre, sah mich und verschwand sofort wieder. Um 21:15 Uhr flog er ohne Zwischenstop aus der Bruthöhle. Dieses Exemplar ist scheinbar empfindlicher was die Fluchtdistanz betrifft. Eine Positionierung direkt vor dem Flugloch war offensichtlich auch unzweckmäßig. Mal sehen, ob ein Tarnnetz oder eine andere – mehr seitliche – Aufnahmeposition hilft.
Nach 2 Stunden war ich schön durchgefroren und stellte außerdem fest, dass eine Taschenlampe sich in der Dunkelheit beim Abbau der Fotoausrüstung doch ganz gut machen würde.
Am gleichen Tag war ich bereits gegen 14:30 Uhr auf dem Rückweg von einer Fahrradtour vor Ort. Auf dem Baum mit Bruthöhle saß ein Kauz, der sich jedoch durch unsere Anwesenheit gestört fühlte und fortflog.
Leider konnte ich heute keinen Kauz fotografieren. Entschädigt wurde ich mit einem Vollmondbild bei wolkenlosem Himmel.

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16.4.22 ; SU 20:34 Uhr – Völlig unerwartet kam der Kauz heute noch vor Sonnenuntergang (20:06 Uhr) aus seiner Bruthöhle und verweilte einen kleinen Moment für eine Fotosession. Sonst ließ er sich erst nach dem Sonnenuntergang blicken und war sofort wieder verschwunden. Glück gehabt! Wobei ich mich diesmal etwas seitlicher neben dem Flugloch positionierte, der Kauz hatte mich also nicht sofort im Blick.

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Der Fokuspunkt war bereits vor der Aufnahme auf die mir zugewandten Kante der Nisthilfe ausgerichtet, da ich wusste, viel Zeit bleibt nicht, wenn der Kauz erscheint. So musste ich nur den Fokuspunkt etwas nach links verschieben und auslösen. Genau 3 Aufnahmen waren möglich, dann hat er sich aus dem Staub gemacht.

Vielleicht gewöhnt er sich an meinen Anblick und verliert seine Scheu.

Ein wichtiges Utensil ist auf dem Bild nicht zu sehen, mein Swarowski Poket CL 8×25.
Mit den Worten – “ Beeindruckend in der optischen Leistung, bescheiden in Größe und Gewicht: Das CL Pocket hat alles, was Sie für Ihre Entdeckungen in der Natur brauchen.“ – wirbt Swarowski und genau so ist es!

Kamerastandpunkt auf dem Wirtschaftsweg

Anders als andere Eulenarten ist der Steinkauz auch am Tag aktiv. Tagsüber heißt mehr Licht, kürzere Belichtungszeiten und die Verwendung der Konverter wird möglich.

20.4.22; von 14:30 bis 16 Uhr keine Sichtung.
Die Aufnahmeposition rechts neben der Röhre ist wegen extremen Gegenlicht in den Nachmittagsstunden unbrauchbar. Die Position mit direktem Blick in die Brutröhre ist vom Licht her besser, doch das scheint der Kauz nicht zu mögen.

22.4.22 ; Sonnenaufgang 6:28 Uhr – das Licht ist in den Morgenstunden wie erwartet sehr gut. 6:51 Uhr flog ein Kauz aus der Brutröhre direkt auf den benachbarten Baum. Ehe die Kamera neu ausgerichtet war, flog er weiter südlich. Bis 8 Uhr keine weiteren Sichtungen. Ich hoffe auf mehr Aktivitäten, wenn die Jungen geschlüpft sind.

28.4.22 , 8.30 – 9:30 Uhr – Das Morgenlicht erlaubt den Einsatz des 2fach Konverters und so komme ich auf 1200mm Brennweite (bezogen auf das Kleinbildformat). Um 8:47 Uhr konnte ich einen Kauz fotografieren. Er flog direkt aus der Brutröhre kommend auf den nächsten Baum (Foto unten). Dann weiter in Richtung Süden. Leider konnte ich noch nicht entdecken, wo er dann Station macht. Die Blätter werden zunehmend ein Problem, da sich mein „Model“ schön dahinter versteckt.

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Vorbeigehende Fußgänger sind meinem Projekt gegenüber recht aufgeschlossen. Heute berichtete mir eine ältere Dame, dass sie in den Morgenstunden gegen 8 Uhr schon oft einen Kauz gesehen hat, selbst auf dem Feld auf der anderen Seite des Weges sitzend. Auch wurde mir angeboten, dass ich vom gegenüberliegenden Grundstück aus fotografieren darf, wenn da das Licht besser ist. Schön, dass es so viel Interesse gibt.

2.5.22 8:30 – 10:00 Uhr – keine Sichtung

Damit der Steinkauz aus unserer Kulturlandschaft nicht verschwindet, hat der Nabu Selfkant e.v. über die Jahre zahlreiche Nistkästen installiert. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird durch jährliche Kontrollen der Nistkästen überprüft. Zusammen mit Hermann Josef Schmitz haben wir am 6.Mai 22 die Kontrollen im Raum Gangelt gestartet. Viele Nistkästen waren belegt. Wobei die Nistkästen nicht überprüft wurden, bei denen wir wußten, dass sie genutzt werden um die Käuze nicht zu stören. Ein schneller Blick in die Brutröhre mit der Taschenlampe hält die Störung in Grenzen hält. Als belegt gelten die Nisthilfen, wo wir Eier entdecken konnten oder brütende Weibchen.

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Es wurde auch eine Röhre gefunden (unweit der Röhre wo ein Weibchen brütete), wo nur eine tote Maus lag. Sie dient offensichtlich als „Vorratslager“ für die Beute. Am Nachmittag des 7. Mai habe ich diesen Ort (NH3) nochmals aufgesucht und auch an dieser Röhre einen Kauz entdeckt. Die belegte Röhre ist auf einer Obstwiese gelegen. (Bild unten)

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Eigentlich ideal zum fotografieren. Leider gibt es keine Möglichkeiten sich etwas zu verstecken und das Männchen drehte sofort ab, als es zum Weibchen fliegen wollte. Ich vermute, da die Käuze hier keinen „Publikumsverkehr“ gewöhnt sind, sind sie sehr scheu. Ok – Vogelschutz geht vor. Die freie Zugänglichkeit kann ohne Tarnzelt nicht für Fotos genutzt werden.

8.5.22 – Ich habe weitere 3 Nistkästen kontrolliert. Zwei Brutröhren waren völlig leer, in einer waren Jungvögel zu sehen. Da die Röhre (NH4) einen Marderschutz hatte, konnte ich nicht erkennen um welche Vögel es sich handelt. Das werde ich in den nächsten Tagen klären. Die Kleinen waren noch relativ jung und weit davon entfernt flügge zu sein.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang war ich nochmals bei NH2 – leider ohne Sichtung eines Kauzes.

9.5.22 – Stare brüten in Kauzbrutröhre

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Bei der gestrigen Kontrolle der Kauzbrutröhren fand ich in einer Röhre bereits geschlüpfte Jungvögel. Für den Steinkauz wäre das zu früh. Heute morgen habe ich mir das nochmal genauer angesehen. Nach einer Stunde Wartezeit war es offensichtlich: Stare haben die Kauzbrutröhre in Beschlag genommen. Neu ist so etwas nicht. Im BUND Pflegegebiet bei Bickenbach wurde dies auch beobachtet. Für die Aufnahmen war ein Abstand von 14 Metern notwendig, mehr Nähe wurde ohne Tarnung nicht akzeptiert. Dann aber flogen sie im Minutentakt. Die Brutröhre nicht exakt installiert. Aber gut so, so kann der Star sich auf dem eigentlichen Dach in Fotostellung bringen.

10.5.22 NH2, 7:40 – 10:00

Während das Weibchen brütet, hält er den Nistplatz im Auge. Heute Morgen habe ich ihn endlich entdeckt, eh er wieder – wie schon oft – aus dem „Nichts“ auftaucht und auf den nächsten Baum in ca. 30 m Entfernung flog. Dann ist er leider ausser Reichweite für meine Kamera. Nun kenne ich aber auch seinen zweiten bevorzugten Sitzplatz!

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Gut getarnt hat er die Umgebung seines Nistplatzes im Auge.

Lesetipp: „Coole Käuze“ ein Buch aus dem Kosmosverlag von Torsten Pröhl u.a. Das Buch ist heute angekommen. Wunderschöne Bilder und kurze, sehr hilfreiche Erklärungen.

23.5.22 NH2, nachdem ich in den letzten 14 Tagen zwei mal ohne Sichtung unterwegs war, gab es heute Morgen nach 8 Uhr wieder einen Erfolg. Erst nach ca. 20 Minuten vor Ort habe ich ihn entdeckt, als ich zum x-ten mal mit dem Fernglas seinen Baum mit Brutröhre absuchte. Ein Ast kam mir merkwürdig vor. Nach genauem hinsehen war es der Kauz. Prima, dass er sitzen geblieben ist. Wir haben uns eine Weile angesehen und ich habe meine Fotos geschossen. Es sieht so aus, als ob das Weibchen immer noch brütet. Das Gras auf der Wiese ist inzwischen hüfthoch, für den Kauz sicher nicht von Vorteil.

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